Autaktbericht zum 100jährigen Vereinsjubiläum des TV-Hambergen aus dem Osterholzer Kreisblatt vom 10.01.2009
Zum Training ging’s in die Gastwirtschaft
TV "Frisch auf" Hambergen vor 100 Jahren gegründet / Turner übten bis in die ’80er Jahre auf dem Saal
Von Brigitte Lange (Osterholzer Kreisblatt)
HAMBERGEN. Turnen - das war anno Tobak reine Männersache. In Hambergen eroberten sich die Frauen erst ab 1920 ihren Platz unter den Sportlern. Dabei konnte der Ort sich bereits seit 1909 rühmen, einen Sportverein zu besitzen. 13 Hamberger hatten ihn am 1. November aus der Taufe gehoben. Zu den treibenden Kräften gehörten die Familien Puckhaber und Brünjes. 100 Jahre später erfreut sich der Turnverein (TV) "Frisch auf" Hambergen ungebrochener Beliebtheit. Das soll gefeiert werden.
"Wir haben dieses Jahr mehrere Großveranstaltungen", bestätigt der Pressewart des TV Hambergen, Fritz Hesemann. Einige gehörten zwar seit Jahren zum Veranstaltungsprogramm des Vereins. Aber im Jubiläumsjahr würden sie größer ausgerichtet. So zum Beispiel der Kinderkarneval, mit dem der Veranstaltungsreigen Ende Februar seinen Anfang nimmt. Tanzend geht es am 30. April in den Mai, und vom 12. bis 14. Juni übernimmt der TV die Rolle des Gastgebers fürs Kreiskinderturnfest. "Als wir das letzte Mal das Turnfest bei uns hatten, nahmen 400 Kinder daran teil", erinnert Hesemann. Seinem Jubiläum hat es der Verein außerdem zu verdanken, dass er am 19. Juli dieses Jahres den 21. Landeswandertag ausrichten darf.
"Am 7. November feiern wir dann Kommers", sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Brandhorst. Das sei der offizielle Höhepunkt des Jahres, die eigentliche Geburtstagsfeier - mit geladenen Gästen aus Vereinen, Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie mit allen Mitgliedern des TV Hambergen. Die Einladungen müssen noch geschrieben werden. Aber bei aktuell 1130 "Frisch auf"-Sportlern könnte sich die Uwe-Brauns-Halle durchaus füllen.
Über guten Zulauf konnte sich der Turnverein vom ersten Tag an freuen. "Bei der ersten Generalversammlung wurden 110 aktive Mitglieder gezählt", berichtet Kassenwart Hermann Brünjes. Dabei waren zwischen Gründung und Versammlung keine zwei Monate ins Land gegangen. "Der große Boom brach schließlich in den 80er Jahren aus", sagt Hesemann. Von 400 Mitgliedern schoss die Zahl binnen weniger Jahre auf über 1000. "Das hing sicher mit der neuen Turnhalle zusammen", meint er. Mit ihrer Errichtung 1982 gings bergauf. Mit einem mal war Platz für neue Sparten. Nach Spielmannszug (1952), Volleyball (’69), Schwimmen und Kanufahren (’76) wurde nun Leichtathletik (1982), Judo/Jiu Jitsu (1983), Korbball (1983), Vielharmonie (1998), die Wandergruppe (2001) und Nordic Walking (2003) ins Angebot aufgenommen. "Bis zum Bau der Halle haben wir auf den Sälen der Gastwirtschaften geturnt", erzählt Frauenwartin Ilse Petersen. Judo- und Jiu Jitsu-Wart Hans Jürgen Beining nickt. "Wir haben anfangs noch in der Pausenhalle der Gesamtschule trainiert."
Dabei besaß der Verein eine Halle. Aber sie war zu klein. In den ’50er Jahren hatten die Sportler das Gebäude am Wällenberg samt Grundstück von der Gemeinde bekommen. "Vor dem Zweiten Weltkrieg war es ein Schießstand, nach 1945 eine Wohnbaracke", sagt Brünjes. Haus und Grundstück seien ihnen als Ausgleich für das Müllersche Erbe überlassen worden, nachdem sich der Verein lange mit der Kommune gestritten hatte. Brünjes: "Hinrich Müller war ein Turner der ersten Stunde. Er hatte dem Verein fünf Morgen Land hinter seinem Haus vermacht", so Brünjes. Aber als Hinrich Müller nicht mehr aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte, wurde das Erbe angefochten.
Unzufrieden waren die Sportler nicht allein wegen des vertrackten Testamentes. Während der Vereinsbetrieb ab 1933 nahezu eingeschlafen war und ab 1940 völlig ruhte, konnte er nach dem Krieg nicht einfach wieder aufgenommen werden.
"Nur ein Verein durfte gegründet werden", erzählt Hesemann. FC Hambergen und TV Hambergen schlossen sich zusammen. Aber: "Zwischen Turnern und Fußballern gab’s ständig Streit", so Brünjes. Erst ’49 konnten die Sportler dem ein Ende setzen. Sie teilten sich auf. Der alte TV "Frisch auf" wurde wieder belebt. "Genau genommen feiern wir deshalb dieses Jahr nicht nur das 100-jährige Vereinsjubiläum, sondern auch das 60-jährige Bestehen", sagt Fritz Hesemann und schmunzelt.